Martin Haagen

BImSch Daten vertrieblich nutzen

Wer Kessel, BHKW, Wärmepumpen oder Abwärmenutzung an Industrie und Gewerbe verkauft, braucht denselben Hinweis: Wo steht Wärme, wie alt ist die Feuerung, und ob das Unternehmen Abwärme gemeldet hat. Hilfreiche Hinweise können in der Plattform für Abwärme oder den BImSch-Registern stehen. BImSch steht für Bundes-Immissionsschutzgesetz.

Eine kleine Auswertung von rund 11.000 Feuerungsanlagen zeigt trotzdem ein Marktbild. Stand der Stichprobe ist der 10. September 2026. Es ist ein indexierter Bestand, kein vollständiges Bundesregister. In diesem Beitrag lesen wir die Anlagen als Nachfragekarte: Alter, Branche, Überlappung mit Abwärme. Danach, was das für die Ansprache heißt.

Warum BImSch Anlagen Vertrieb die Register braucht

Eine genehmigte Feuerung ist mehr als ein Eintrag in der 44. BImSchV. Sie markiert einen Standort mit Brennstoff, oft mit Leistung, oft mit Betriebsstunden. Für Lösungsanbieter entstehen daraus Kaufsignale für die Wärmewende Industrie, die aus dem Zielunternehmen selbst stammen. Nicht aus einer Branchenschätzung.

Die Logik ist einfach. Das Unternehmen betreibt eine dokumentierte Anlage. Wer eine passende Wärmelösung verkauft, spricht dann nicht über die Idee Effizienz. Er spricht über eine vorhandene Feuerung.

Genau deshalb gehören solche Register in dieselbe Familie wie andere öffentliche Signale. Ein Umsetzungsplan nach § 9 EnEfG zeigt geplante Maßnahmen. Die ISO 50001 Zertifizierung zeigt, dass Energiemanagement organisatorisch verankert ist. Das BImSch Register zeigt, wo Wärme heute erzeugt wird.

Zwei öffentliche Quellen, kein Register

BImSch-Daten zu Feuerungsanlagen liegen in Landesregistern, nicht in einem zentralen Portal. Wer sie einzeln sucht, verliert Zeit an Discovery, nicht an der inhaltlichen Frage.

Abwärme wird bundesweit gemeldet. Nicht jeder Datensatz ist öffentlich. Ein Teil bleibt geheim. Die Meldepflicht und die Veröffentlichung sind also nicht dasselbe.

Unsere Stichprobe umfasst rund 11.000 Anlagen. Sie ist klein gegenüber dem gesamten Anlagenpark und unvollständig. Sie reicht trotzdem, um drei Fragen zu beantworten, die der Vertrieb sonst nur anekdotisch beantwortet: Wie oft fehlt das Inbetriebnahmejahr? Welche Jahrgänge sind sichtbar? Welche Branchen und welche Überlappung mit Abwärme kommen vor?

Die folgenden Zahlen beziehen sich auf diesen indexierten Bestand. Restkategorien und fehlende Angaben sind in den Tabellen vermerkt.

Alter oft unbekannt

Bei vielen Anlagen fehlt das Jahr. Dann fehlt das Modernisierungsfenster.

Inbetriebnahmejahr Anzahl
Jahr fehlt 5.908
Jahr bekannt 5.345

Ohne Jahr können Sie nicht sagen, ob die Feuerung vor der nächsten Novelle, vor einem Förderfenster oder mitten in der Nutzungsdauer steht. Der Eintrag bleibt ein Standort. Er wird kein Timing-Signal.

Für den Vertrieb heißt das zuerst: Ein BImSch-Treffer ohne Jahr ist schwächer als einer mit Jahr. Er eignet sich für die Landkarte, nicht für die Priorisierung nach Austauschdruck.

Alter mit Jahr

Wo ein Jahr steht, liegt der Schwerpunkt nicht in den 1970ern. Der größte Block ist 2010 bis 2019. Davor die 2000er. Der Rest verteilt sich auf die 1990er, die Zeit vor 1990 und die Jahre 2020 bis 2026.

Inbetriebnahmejahr Anteil
vor 1990 9 %
1990–1999 14 %
2000–2009 24 %
2010–2019 37 %
2020–2026 17 %

Nur Anlagen mit Inbetriebnahmejahr.

Die alten Jahrgänge sind die klassische Modernisierungsgeschichte. Die jüngeren sind kein Ausschluss. Eine Anlage von 2016 kann trotzdem ins Gespräch, wenn Brennstoff, Lastprofil oder Abwärmepotenzial nicht mehr zur Strategie passen.

Zwei Lesarten helfen. Vor 2000: eher Austausch und Brennstoffwechsel. Ab 2010: eher Ergänzung, Hybrid, Nutzung vorhandener Abwärme. Die Stichprobe belegt das nicht je Einzelfall. Sie zeigt nur, dass beide Enden im selben Register vorkommen.

Fünf größte Branchen

Energieversorgung führt mit Abstand. Nahrungsmittel, Chemie, Hosting / IT und Krankenhäuser folgen mit kleinen, aber sichtbaren Anteilen.

Branche Anteil
Energieversorgung 45 %
Nahrungsmittel 4 %
Chemie 4 %
Hosting / IT 3 %
Krankenhäuser 3 %

Anteil an allen indexierten Anlagen.

Für den Vertrieb heißt das: Ein großer Teil der öffentlichen Feuerungen sitzt bei Versorgern und ähnlichen Betreibern. Wer nur produzierende Mittelständler sucht, muss die restlichen Branchen bewusst filtern. Nahrungsmittel, Chemie, Rechenzentren und Krankenhäuser sind kleiner. Sie sind oft die Accounts mit Prozesswärme, Dampf oder ununterbrochener Last.

Die Verteilung ersetzt keine Accountliste. Sie hilft beim Priorisieren. Ein Vertrieb, der Krankenhäuser verkauft, fährt einen anderen Takt als einer, der Stadtwerke bedient.

Wo BImSch und Abwärme sich treffen

Die Überlappung zählen wir auf Organisationsebene, nicht je einzelner Anlage.

Blick von BImSch Organisationen
BImSch und Abwärme 663
nur BImSch 3.109
Blick von Abwärme Organisationen
auch BImSch 663
nur Abwärme 3.140

663 Organisationen stehen in beiden Quellen. Der größere Teil jeder Seite steht allein. Wer nur BImSch liest, verpasst gemeldete Abwärmepotenziale ohne genehmigte Feuerung im Index. Wer nur Abwärme liest, verpasst Feuerungen ohne öffentliche Abwärmemeldung.

Für die Ansprache ist die Schnittmenge der schärfere Einstieg: dokumentierte Feuerung plus gemeldetes Abwärmepotenzial. Temperatur, Menge und Verfügbarkeit liegen dann oft schon in der zweiten Quelle. Das Buying Center hört bei Abwärmerückgewinnung trotzdem drei verschiedene Dinge. Die Register ersetzen das Gespräch nicht. Sie bereiten es vor.

Weitere Felder bleiben für die Einzelfallarbeit: Feuerungsart, Leistung, Betriebsstunden auf der BImSch-Seite. Menge, Temperatur, Verfügbarkeit auf der Abwärme-Seite. Beides lässt sich mit Standort und anderen Quellen kombinieren. Diese Auswertung zeigt das Raster, nicht den einzelnen Kessel.

Wie der Vertrieb BImSch-Anlagen nutzen kann

Der Nutzen entsteht nicht aus dem Durchschnitt. Er entsteht, wenn Sie die einzelne Organisation neben Ihr Angebot legen.

Drei Fragen reichen für das Erstgespräch. Welche dokumentierte Feuerung trifft unsere Lösung? Steht ein Inbetriebnahmejahr? Gibt es eine öffentliche Abwärmemeldung? Wer das vor dem Anruf weiß, klingt vorbereitet. Wer es im Gespräch erst erfragt, klingt wie jeder andere Anbieter.

Dasselbe gilt für die Sortierung der Accounts. Account Based Sales im B2B-Energievertrieb lebt von wenigen Zielunternehmen mit klarem Fit. Ein sichtbarer BImSch-Eintrag ist dafür ein schärferes Kriterium als „Industrie, irgendwie Wärme“.

Was diese Auswertung nicht leistet: Sie ersetzt keine Accountliste. Sie behauptet keine Vollständigkeit. Sie sagt nicht, dass jede alte Feuerung nächstes Jahr fällt. Sie zeigt nur, was in einem öffentlichen, unvollständigen Bestand steht.

eeasy.io arbeitet genau an der Stelle, an der solche Signale sonst liegen bleiben. Fragmentierte Energie- und Unternehmensdaten werden zu strukturierter Intelligence für Zielunternehmen. Dieser Auszug ist Marktinsight, kein Produktfilter, den Sie heute schon so klicken. Wenn Sie Fragen an genau dieses Datenset haben, ist das der richtige nächste Schritt.

Fazit

Öffentliche Feuerungsanlagen sind für den Vertrieb eine Nachfragekarte. Sie liegen in Landesregistern, nicht in einem Portal. Schon rund 11.000 Anlagen zeigen ein Muster: Das Jahr fehlt oft, 2010 bis 2019 ist der häufigste bekannte Block, Energieversorgung führt, und nur eine Minderheit der Organisationen sitzt zugleich in der Abwärme-Meldung.

Wer Wärme an Unternehmen verkauft, kann diese Zahlen als Orientierung nutzen. Den Abschluss macht die einzelne Organisation: dokumentierte Anlage, Jahr, Abwärmepotenzial. Das ist der Unterschied zwischen einem Marktgefühl und einem vorbereiteten Gespräch.

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